Internationale Gitarrenwoche 2011

Das "Internationale Gitarrenfestival Seckau" fand 2011 zum 12. Mal statt, eine Woche voller Gitarren-Musik. Es gab vier Konzerte, Gitarrenausstellungen, sowie Unterricht für Gitarrenschüler,- studenten, -lehrer und -liebhaber auf höchstem Niveau.
Das optimale Umfeld für dieses Festival bot auch heuer wieder die Abtei Seckau.

Zum Eröffnungskonzert am Samstag, 23. Juli 2011 griffen Norbert Dams aus Deutschland und David Pavlovits aus Ungarn in die Saiten.

 

Foto_Norbert_Dams

Die erste Hälfte bestritt Norbert Dams. Er verzichtete auf künstliche Beleuchtung, der wunderschöne Kaisersaal wurde nur von Kerzenlicht erhellt. Das schuf eine sehr konzentrierte, behagliche Atmosphäre. Sein Programm bestand ausschließlich aus Gitarrenmusik um und aus Wien. Unter dem Motto "Küss die Hand Gnä' Frau" spielte der deutsche Gitarrist, der auch als Notenverleger tätig ist, sehr unbekannte aber durchaus interessante Werke. Das erste Werk stammte von Wenzel Matiegka, einem Zeitgenossen Schuberts, der ganz im Stil der Biedermeier und Hausmusik-Tradition komponierte. Es folgte ein Werk von Simon Molitor, aus der großen Sonate op.7 gab es das Andante und ein sehr elegantes Menuett zu hören. Norbert Dams führte sehr sprachgewandt durch sein Programm, er brachte seinem Publikum interessante Hintergrundinformationen über die gespielten Werke näher. Weiters in guter Erinnerung bleiben das Liebeslied von Johann Kaspar Mertz und die Lyrische Suite von Rudolf Süss.

 

David_PavlovitsDer zweite Teil des Eröffnungskonzerts gehörte David Pavlovits. Gleich zu Beginn fiel auf, dass der ungarische Gitarrist seine Gitarre linkshändig spielt. Pavlovits hatte vor knapp 2 Jahren einen Unfall und musste deshalb sein Gitarrenspiel umstellen. Als rechtshändig spielender Gitarrist war Pavlovits in ganz Europa mit sehr interessanten, sowie technisch schier unglaublichen, Bearbeitungen von Klavierwerken bekannt geworden (z.B. Mozarts Fantasie KV 397, siehe http://www.youtube.com/watch?v=W9M0Pj5vUOQ ). So wurde sein Österreich-Debut als "links-Gitarrist" mit viel Spannung erwartet. Er begann sein Konzert wunderschön - mit dem Tombeau von Silvius Leopold Weiss, dass er wunderschön musizierte. Weitere Teile des Konzertes bestanden aus Kompositionen von Luigi Legnani und Mauro Giuliani, schwungvollen Walzern aus Venezuela von Antonio Lauro und, das bleibt in ganz besonders guter Erinnerung, Eigenkompositionen, einer Auswahl aus seinen Amethystes. Kurze, sehr charakterstarke Kompositionen die hiermit jedem Gitarristen empfohlen sein sollen (bei Ricordi SY. 2685 erschienen.)

 

Flo_Seckau_2011_testAm Sonntag spielte Florian Palier ein anspruchsvolles Solo-Rezital. Er begann mit 2 Sonaten von Domenico Scarlatti, Kompositionen im Original für Cembalo: K 544 und K 14 (nach dem Musikhistoriker Kirkpatrick geordnet), ein sehr virtuoser Auftakt zu seinem Programm, nachzuschauen unter: http://www.youtube.com/watch?v=hCZb1oTtLSk

Die Fuge a-Moll BWV 1003 von J.S. Bach war ein Gustostück in kontrapunktischer Ausführung, Durchsichtigkeit und Schwung.
6 Stücke von Barrios-Mangoré, sehr musikalisch und schwungvoll mit grosser Agogik gespielt: Vals Tropical, Julia Florida, Pais de Abanico, Vals No.1, Medallón Antiguo und virtuosem Abschluss Las Abejas führten in die Pause.

Nach der Pause ging es romantisch weiter, besonders schön und berührend die Träumerei von Giulio Regondi („Reverie“) 
http://www.youtube.com/watch?v=ySbaaQafH-4 .
Die Sonate des spanischen Neutöners wider Willen, Antonio José, einem ziemlich unbekannten Komponisten erblühte in den Händen von Florian Palier. Elegisch (Pavana triste), tänzerisch („Minuetto“ !), äußerst flott und virtuos der vierte Satz, das Finale (auf you tube: http://www.youtube.com/watch?v=sIXAu6Gu80w

Das Publikum erklatschte sich mehrere Zugaben.

 

Das Donnerstags-Konzert bestand aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen:

Wolfgang_Jungwirth_1Wolfgang Jungwirth aus Linz auf der klassischen Gitarre und aus dem Duo Lapis Lazuli aus Holland und Deutschland mit E-Gitarre und Violine mit einem sehr unterhaltsamen Programm. Im ersten Teil spielte Jungwirth ein Programm aus verschiedenen musikalischen Epochen mit einem Schwerpunkt für österreichische Komponisten. Es gab eine Passacaglia und eine Gigua von Roncalli sowie Tombeau sur la Mort de M.Cajetan Baron d´Hartig von S.L.Weiss zu hören. Die Affekte dieser barocken Stücke wusste Wolfgang Jungwirth sehr gut darzustellen. Es folgte eine Transkription des Menuetts aus der 96. Sinfonie von J.Haydn, für Gitarre erstellt von Jungwirth. Die Klangfarben eines Orchesters wurden sehr schön auf der Gitarre nachempfunden. Weiter folgten ein Cantus Doricus von Erwin Schaller, ein Menuett von Franz Schubert sowie ein Rondino von Wolfgang Josef Lanz, der im gleichen Jahr wie Schubert in Oberösterreich geboren wurde. Ein sehr gelungener Beginn für das Donnerstags-Konzerts im Huldigungssaal.

 

Duo_LapislazuliDer zweite Teil war eine ganz besondere, wunderbare musikalische Entdeckung. Das Duo Lapis Lazuli - Uta Prewinkel an der Violine und Paul Driessen an diversen Gitarren. Das deutsch-holländische Duo vermischte verschiedenste Musikstiele. Lustig bis Skurril, dabei immer unterhaltsam ohne jemals billig zu wirken gab es von der Jazz-Improvisation bis zum Trauertango (was das ist, lieber Leser, bleibt, sofern sie nicht beim Konzert waren, ihrer Phantasie überlassen) gab es alles zu hören. Lapis Lazuli hat die Besucher wieder in die Gegenwart zurückgebracht, es brachte Schwung in den ehrwürdigen Huldigungssaal der Abtei.

 

 

 

 

 

Am Samstag Vormittag fand das traditionelle Abschlusskonzert das Kursteilnehmer statt. 23 Gitarristen zwischen 8 und 66 Jahren griffen in die Saiten. Das Festival-Gitarrenorchester mit Hans Palier als Dirigent eröffnete die Matinee mit "Auffzug der Kauffleute" von W. Brade (~1560 -1630). Das Konzert war eine sehr gelungene Mischung aus allen musikalischen Epochen der Gitarrenmusik. Man konnte hervorragende junge Talente solistisch hören. Es gab Gitarrenduos, Trios, Quartette, Quintette und abschließend das Gitarrenorchester mit einem Rag und einem Mambo mit eigener Perkussionseinlage. 

 

       

Abschlussmatinee 2011 Gitarrenorchester Seckau mit "Mambo"
Vom Musikschüler bis zum Universitätsprofessor waren alle eine Woche lang bei der Gitarrenwoche in der Abtei Seckau in der Steiermark eifrigst am Üben, Proben und Konzertieren gewesen. Die musikalische „Arbeit" machte sehr großen Spass; auch die Freizeitaktivitäten (Nachtwanderung, Lagerfeuer, Mutprobe, Schatzsuche, ...) waren der grosse Hit bei den Teilnehmern des Gitarrenfestivals.
Das Ergebnis der Arbeit mit den Dozenten Johann Palier, Florian Palier, Norbert Dams (Deutschland), Paul Driessen (Holland) und David Pavlovits (Ungarn) war beim Abschlusskonzert am Samstag, 30. Juli 2011 eindrucksvoll zu hören.

Das Gitarrenorchester mit allen Teilnehmern spielte zum Schluss „Mambo"  mit einem intensiven Perkussionsteil, den der Kursleiter Hans Palier arrangiert hatte. Das Publikum und die anwesenden Journalisten waren begeistert.

Einige Fotos von der Gitarrenwoche 2011 :

lagerfeuer  Seckau_2011_mit_Schrift_rot11 

schatzsuche_gefunden_2  schatzsuche_2  

seckau_hof_2  herbert

Driessen_2  gernot_laura 

Seckau_hof_6_Luftaufnahme  seckau_hof_5

 
© 2011 Internationales Gitarrenfestival Seckau | Design by www.vonfio.de